Was ist Klinische Pharmakologie ?

Derzeit gibt es 17 selbstständigen Institute oder Abteilungen für Klinische Pharmakologie an den insgesamt 36 Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 1990 wird die Einrichtung einer Einheit für Klinische Pharmakologie grundsätzlich für alle medizinische Fakultäten in Deutschland empfohlen.

  1. Der Anteil der älteren Patienten nimmt ständig zu. Die Multimorbidität tritt damit zunehmend in den Vordergrund. Die Pharmakotherapie dieser Patienten wird gleichzeitig durch mehrere unabhängige Fachbereiche vorgenommen. Vermehrt auftretende Arzneimittelwechselwirkungen erfordern vermehrt eine fachübergreifende Betreuung bezüglich der Pharmakotherapie dieser Patienten.
  2. Infolge des zunehmenden Anteils älterer Patienten einerseits und der modernen kostenintensiveren Möglichkeiten der Medizin andererseits wird im Gesundheitssystem mit Recht eine Ökonomisierung der Ausgaben verlangt. Der Anteil von Arzneimitteln an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ist mit 13 % beträchtlich. 80 % der Ausgaben entfallen dabei auf den niedergelassenen Bereich. Sowohl hier als auch in den Krankenhäusern besteht ein Informationsdefizit im Hinblick auf Therapierichtlinien und Kosteneffizienz.
  3. Vermeidbare Nebenwirkungen von Arzneimitteln führen zu erheblichen zusätzlichen Kosten. So haben europäische Studien gezeigt, daß 3 bis 17 % der Krankenhausaufnahmen auf Arzneimittelnebenwirkungen zurückzuführen ist.
  4. Die Pharmakotherapie unterliegt einer raschen Entwicklung. Eine enge Anbindung der klinischen Pharmakologie an die Klinik ist daher erforderlich. Diese Schnittstelle ist sowohl für eine praxisorientierte Ausbildung von Medizin-Studenten als auch für die Fortbildung von Ärzten von Bedeutung.
  5. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms (Genomprojekt) wird demnächst abgeschlossen sein. Die Charakterisierung molekularer Grundlagen von Erkrankungen und deren genetischer Hintergrund eröffnet der Medizin neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Zahlreiche Krankheiten können auf eine vermehrte oder verminderte Bildung von einzelnen oder mehreren Proteinen zurückgeführt werden. Die Bildung solcher Proteine kann auf genetischer Ebene beeinflußt werden.

Den genannten Entwicklungen versucht das Fach Klinische Pharmakologie gerecht zu werden durch

  • Vermittlung von Information über Pharmakotherapie
  • Durchführung von klinischen Studien
  • Anbieten pharmakotherapeutisch relevanter genetischer Diagnostik
  • Forschung auf dem Gebiet neuer pharmakologischer Strategien
Homepage der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakologie, Universität Heidelberg